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Das Gehirn reagiert mit unbewußten Vorurteilen


Los Angeles - Menschen reagieren unbewußt auf andere. Während das Gehirn registriert, ob der Gegenüber ein guter Freund oder ein Fremder ist oder gar eine Bedrohung bedeutet, sind unterschiedlichste Regionen aktiv. Die Amygdala, eine Art Alarmglocke des Körpers, zeigt zum Beispiel rege Aktivität, wenn Personen die Gesichter von Afroamerikanern betrachten. Und zwar unabhängig davon, ob ihre eigene Haut ebenfalls farbig oder weiß ist.


Diese ähnliche emotionale Reaktion bei unterschiedlichen ethnischen Gruppen stellten Forscher um Matthew Lieberman von der Universität in Los Angeles fest. "Auch wenn viele glauben, daß sie keine Vorurteile zum Beispiel gegenüber Farbigen besitzen, haben sie vielleicht unbewußte Abneigungen", so Lieberman. In "Nature Neuroscience" berichtet sein Team über Untersuchungen bei 20 Versuchsteilnehmern, denen Porträtfotos vorlegt wurden. Gleichzeitig hielten fMRI-Scanaufnahmen die Gehirnaktivitäten fest.

Da selbst Afroamerikaner stärker auf dunkelhäutige Gesichter reagierten, vermuten die Forscher statt eines Aspekts der Neuheit eher einen Lerneffekt von negativen Assoziationen. Das Gehirn reagiert offenbar unbewußt aufgrund von bestehenden Stereotypen innerhalb einer Gesellschaft. Medien, Autoritäten und kulturelle Sichtweisen trainieren das Gehirn ab frühem Alter, so Psychologen, egal ob unser Bewußtsein dem zustimmt oder nicht.

Die Scans zeigten, daß sich die unbewußte Reaktion durch Worte beeinflussen läßt. Die Amygdala-Aktivität bleibt zum Beispiel aus, wenn der Begriff "Afroamerikaner" zum entsprechenden Foto fiel. Statt dessen wurde eine andere Hirnregion aktiv: der rechte ventrolaterale, präfrontale Cortex. Dieser steht in Zusammenhang mit dem wörtlichen Denken über emotionale Erfahrungen, und er bremst Impulse, Verhalten und Gefühle. "Diese Region ist besonders aktiv, wenn man dem Gesicht ein verbales Etikett verpaßt", so Lieberman. Über die Rasse anderer in Form von Begriffen nachzudenken scheint die empfundene Bedrohung gegenüber Fremden zu regulieren. "Möglicherweise führte die Verbreitung ethnischer Klischees zum emotionalen Benefit bei solchen Worten." ska

 

Artikel erschienen am Di, 10. Mai 2005

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