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Vorurteile
Fotos dunkelhäutiger Menschen wecken negative Assoziationen
Ausgabe vom 10. Mai 2005
Beim Anblick afro-amerikanischer Gesichter schlagen bestimmte Hirnzentren Alarm
- und zwar unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit des Betrachters.
Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Wissenschaftler aus den USA, als
sie elf weiße und acht farbige Amerikaner mit Gesichtern unterschiedlicher
Hautfarbe konfrontierten.
Bekannt war bereits, dass das Foto eines Farbigen die Amygdala eines Weißen
aktiviert. Diese Hirnregion gilt als zentrale Schaltstelle, bei der einlaufende
Informationen mit Emotionen verbunden werden. Insbesondere regt sie sich bei
neuen oder als bedrohlich empfundenen Sinneseindrücken - wie beispielsweise
beim Anblick von Menschen anderer Hautfarben, bei dem unbewusst Ängste ausgelöst
werden können.
Die gleichen Hirnaktivitäten traten jedoch auch bei Farbigen auf, wenn sie
Fotos ihrer eigenen Ethnie betrachteten, wie die Experimente mit funktioneller
Magnetresonanztomografie der Forscher um Matthew Lieberman von der Universität
von Kalifornien jetzt zeigten. Dagegen blieb die Amygdala der Afro-Amerikaner
- wie die der Weißen - verhältnismäßig ruhig, wenn sie
Bilder von weißhäutigen Personen sahen.
Da der Anblick eines Farbigen für einen Afro-Amerikaner nicht neu sein kann,
vermuten die Forscher, dass sich hier kulturell erlernte negative Assoziationen
gegenüber farbigen Mitbürgern offenbaren, die selbst vor den Angehörigen
derselben Hautfarbe nicht Halt machen. Allerdings gebe es eine alternative Erklärung
für die Aktivität der Amygdala afro-amerikanischer Probanden bei Gesichtern
gleicher Ethnie, schränken die Forscher ein: In ihr könnte sich ebenso
die positive Folge beim Anblick eines vertrauten Seinesgleichen widerspiegeln.
Dies halten die Wissenschaftler auf Grund weiterer Kontrollversuche allerdings
für weniger wahrscheinlich.
Quellen:
Nature Neuroscience 10.1038/nn1465 (2005), Abstract
© spektrumdirekt
Die Versuchspersonen sollten aus den beiden unteren Fotos wählen, welche
Hautfarbe die oben abgebildete Person hat. Bilder von Afro-Amerikanern lösten
dabei eine verstärkte Aktivität der rechten Amygdala aus - und zwar
sowohl bei weißen als auch bei farbigen Versuchspersonen.
©Matthew Lieberman
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