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Gehirn: Körperliche und seelische Schmerzverarbeitung ähnlich

Liebeskummer wird gerne mit dem Terminus "Herzschmerz" umschrieben und tatsächlich klingen sprachliche Formulierungen für seelisches Leid häufig ähnlich wie. Beschreibungen von körperlichem Schmerz. Das menschliche Gehirn könnte den Redewendungen nun. Recht geben - denn laut einer aktuellen Studie verarbeitet es tatsächlich physische und emotionale. Verletzungen auf sehr ähnliche Weise.

Ein US-Forscherteam um Naomi Eisenberger vom Department of Psychology der University of California in Los Angeles hat mit einem speziellen bildgebenden Verfahren die Gehirnaktivität von Probanden gemessen, die Situationen von "sozialer Zurückweisung" ausgesetzt wurden.
Das Ergebnis: Die Muster im Gehirn ähneln frappierend der neuronalen Aktivität bei körperlichem Schmerzen, hervorgerufen etwa durch Verletzungen.

Erhöhte Aktivität in gleicher Gehirnregion Liebeskummer kann richtig wehtun, wie die meisten Menschen wohl schon einmal erfahren mussten.

Ob die sprachliche Nähe zum physischen Leid aber mehr als nur metaphorisch ist, war bislang nicht geklärt.

Naomi Eisenberger und Kollegen haben nun genau diese Verbindung untersucht - und stellten fest: Parallel zu Studienergebnissen über körperliche Schmerzen zeigt sich in den gleichen. Gehirnregionen auch eine erhöhte Aktivität bei seelischem Schmerz, in diesem Fall ausgelöst durch soziale Zurückweisung.

Mit fMRT die Gehirnaktivität überwacht

Die Wissenschaftler verwendeten die so genannte funktionelle Magnetresonanz-Tomographie (zwei Forscher, deren Entdeckungen zur Entwicklung dieser Technik geführt haben, erhielten dafür gerade erste den Medizin-Nobelpreis), um den Blutfluss im Gehirn der Testpersonen zu überwachen. Das Verfahren misst die Sauerstoffversorgung des Hirngewebes und macht auf diese Weise sichtbar, welche Regionen jeweils gerade intensiv arbeiten.

Virtuelles Ballspiel für den Test

Um eine Situation zu schaffen, in der sich die Probanden sozial ausgegrenzt fühlten, entwickelte das Forscherteam ein virtuelles Ballspiel, genannt "CyberBall": Jeweils drei Spielfiguren warfen sich dabei auf einem Bildschirm einen Ball zu. Die Probanden wurden in dem Glauben gelassen, hinter den zwei anderen Teilnehmern würden sich reale Personen verbergen - tatsächlich aber spielten sie mit einem computergesteuerten Programm.

"Mitspieler" verweigern Zusammenspiel

Das Ballspiel in zwei Versionen: Zusammenspiel (links) sowie Ausschluss des durch die Hand im unteren Teil der Bilder symbolisierten dritten Spielers (rechts). In einer ersten Versuchsrunde wurde den Testpersonen erklärt, sie könnten aufgrund technischer Probleme nicht mitspielen und müssten zuschauen. Im zweiten Teil des Versuchs durften die Spieler schließlich am virtuellen Match teilnehmen - nach kurzer Zeit allerdings spielten ihre virtuellen Mitspieler bzw. das Programm ihnen den Ball nicht mehr zu.

Die emotionale Folge: Die solchermaßen sozial ausgeschlossenen Probanden fühlten sich zurückgewiesen, wie sie auch in Befragungen angaben.

"Gemeinsame neuroanatomische Basis"

Die gefunden Aktivationsmuster seinen sehr ähnlich zu denen, die bei Studien zu körperlichem Schmerz beobachtet wurden, so die Forscher. Und damit "liefern sie Hinweise dafür, dass die Erfahrung und Regulierung von sozialem und physischem Schmerz eine gemeinsame neuroanatomische Basis teilen."